| Hier die Pressemeldung der VAG vom 19.11.2002: |
||
| Das neue Design der kommenden Generation der Nürnberger U-Bahnzüge wurde am 18. November 2002 anhand eines
so genannten Mock-ups von Herbert Dombrowsky, Vorstandsvorsitzender der VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft
Nürnberg, Dr. Rainer Müller, Technischer Vorstand der VAG, Konrad Schmidt, RUBIN-Projektleiter bei der VAG und
Björn Buchholz vom Designbüro ergon.design präsentiert. Die Wagen werden ab 2006 auf der derzeit im Bau
befindlichen Linie U3 fahren. |
||
| Die neuen Fahrzeuge Der neue Wagentyp, mit der Bezeichnung Doppeltriebwagen 3 (DT3), wird sich nicht radikal von seinem Vorgänger, dem DT2, unterscheiden. Letzterer wurde 1993 in Betrieb genommen und verkehrt auf den Linien U1 und U2. Die Neuerungen stecken vielmehr im Detail und betreffen vorwiegend die Innenraumgestaltung. Durch den Wegfall der Fahrerkabine wird es in den neuen Wagen einen Panoramabereich mit Stehplätzen geben. Das schafft Platz im Wageninneren – ebenso wie ein Durchgang, der die beiden Hälften des Doppeltriebwagens miteinander verbinden wird. Dort wird ein Bereich für Kinderwagen, Fahrräder und Ähnliches geschaffen. Sollte dieser Bereich nicht als Abstellfläche benötigt werden, kann man dort auf Klappsitzen Platz nehmen. Die Art der Sitze, die Haltemöglichkeiten sowie die räumliche Erscheinung insgesamt werden gegenüber dem DT2 modifiziert, wobei man jedoch die prinzipielle Sitzanordnung sowie die grundsätzliche Farbgestaltung beibehält. So wird es in den Einstiegsbereichen silberne Dreifach-Haltestangen und verteilt über den Wagen weitere ebenfalls silberne Haltegriffe geben. In leuchtendem Rot werden die Haltestangen direkt an den Türen gehalten sein, was sehbehinderten Menschen den Weg zu den Türen weisen soll. Unter den Sitzen wird Stauraum geschaffen, zwischen den Wagen-Innenwänden und den Sitzen wird es hingegen keine Zwischenräume mehr geben, die als Müllbehälter missbraucht werden können. Ausfahrbare Spaltüberbrückungen zwischen Fahrzeug und Bahnsteig werden mobilitätsbehinderten Menschen den Zugang zu den Fahrzeugen vereinfachen. Für Gehörlose wird es zusätzlich zur akustischen eine optische Schließankündigung im Bereich der Fahrzeugtüren geben. Sehbehinderte werden künftig mithilfe der Fenstergummis leichter den Sensor zum Türöffnen finden und Haltestellen-Anzeigen im U-Bahnwagen werden die örtliche Orientierung der Fahrgäste erleichtern. Außerdem werden alle DT3-Fahrzeuge mit Videokameras ausgestattet sein – zur Sicherheit der Fahrgäste. Beim Außendesign wird der Unterschied zu den Fahrzeug-Vorgängern vorwiegend im Vorderfront-Bereich erkennbar: Dieser wird schräger und somit dynamischer sein. |
||
| Nicht aus dem hohlen Bauch Die Entwicklung eines neuen Fahrzeugtyps geschieht bei der VAG nicht aus dem hohlen Bauch heraus. Bis ein Fahrzeug letztendlich durch den Nürnberger Untergrund rollt, sind Know-how und Erfahrungswerte aus den unterschiedlichsten Bereichen in das neue Endprodukt geflossen. So wurden gezielte Kundenbefragungen durchgeführt, Diskussionsrunden mit Behindertenverbänden sowie dem VAG-Fahrgastbeirat einberufen und nicht zuletzt Erkenntnisse aus dem laufenden Betrieb, zum Beispiel bei Werkstattmitarbeitern, Fahrern und dem Wartungspersonal eingeholt. Konstrukteure von Herstellerseite – in diesem Fall von Siemens Transportation Systems – legen technische Bedingungen fest. Letztlich muss ein Produktdesigner für die gestellten Anforderung Lösungen zur praktischen Umsetzung finden. Das erfordert umfangreiches Material- und Technikwissen sowie ästhetisches und psychologisches Gespür. Überdies müssen die Beschaffenheit der U-Bahntunnel, die Linienführung, die Bahnhofslängen, die Bahnsteighöhen, etc. bei der Fahrzeug-Entwicklung in Betracht gezogen werden. Die VAG arbeitet diesbezüglich mit ergon.design, Gesellschaft für Arbeits- und Produktgestaltung, zusammen. Unter Leitung von Diplomdesigner Matthias Heiermann und Professor Holger H. Ebert, der an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg einen Lehrstuhl für Mediengestaltung innehat, hat das Designbüro bereits Anfang der 90er Jahre in Teamarbeit mit der VAG und Siemens den Wagentyp DT2 gestaltet. Seinerzeit lag beim Außendesign der Schwerpunkt auf einer dynamischeren Gestaltung. Dies wurde durch eine farbliche Akzentuierung mit den Unternehmensfarben Weiß und Rot erreicht, woraus sich im Übrigen das Gesamterscheinungsbild der VAG heute ableitet, das sich in einem Großteil des Fuhrparks und in VAG-Publikationen intern wie extern widerspiegelt. Was die Fahrgasträume anging, sollten eine bessere Auslastung, mehr Komfort sowie eine modernere, freundlichere Atmosphäre erzielt werden. Dies geschah beispielsweise durch die Verwendung einer sonnenwarmen Innenfarbe, der Schaffung von mehr Freiräumen sowie einer Ausstattung mit ergonomischen Sitzen, die mit hochwertigem Stoff bezogen sind und über Armmulden verfügen. Das bewährte Konzept wurde – angereichert mit neuen Erkenntnissen – auf die neuen Fahrzeuge der U3 übertragen. Dabei gilt für die Designer die Arbeitsmaxime, Qualität sichtbar und erfahrbar zu machen, getreu dem Leitsatz: „form follows use – die Form dient einer optimalen Nutzbarkeit“. So sollen die neuen Fahrzeuge noch heller, technisch up to date, leicht zu pflegen und zu warten und gegen alle Widrigkeiten des Alltags gefeit sein. Schließlich sind die Wagen auf eine Mindestlebensdauer von 30 Jahren ausgelegt. |
||
| Der Mock-up Mock-up ist ein Begriff aus dem Englischen und bezeichnet eine Attrappe oder ein Modell im Maßstab 1:1. Die VAG nutzt bereits seit der Entwicklung des DT2 einen ausrangierten U-Bahnwagen, um an ihm Design-Entwicklungen möglichst realitätsnah testen zu können. Der Mock-up ist ein Werkzeug für die Konstrukteure, Designer, Ingenieure, Mechaniker, Entscheidungsträger, das dazu beiträgt, Ideen und Entwürfe vor der eigentlichen Fahrzeugfertigung zu optimieren. Dabei wird am Mock-up lediglich das Innendesign erarbeitet – für das Außendesign wären Aufwand und Kosten zu hoch. |
||
| Der Roll-Out Am 15. Januar 2004 war es endlich soweit: Der erste Triebwagen für die fahrerlose U-Bahn in Nürnberg wurde den am Projekt beteiligten Mitarbeitern von VAG und Siemens vorgestellt. ![]() Dr. Rainer Müller, Technischer Vorstand der VAG Nürnberg und Hans M. Schabert, Bereichsvorstand von Siemens Transportation komplettierten gemeinsam den ersten DT3 durch Anbringen des Königskopfadlers. Es folgten Ansprachen der Herren Schabert und Dr. Müller, in denen auf die Vorgeschichte, die Besonderheiten sowie die noch zu erbringenden Leistungen des Projektes eingegangen wurde. Anschließend konnte der Zug besichtigt werden. Zwei Aufnahmen zeigen die Inneneinrichtung und den Übergangsbereich zwischen den Wagen.
|
||
| Design oder nicht sein Eine freundliche, helle und luftige Gestaltung – vor allem eines Fahrzeugs, das sich durch den Untergrund bewegt – unterstützt, dass sich der Mensch weniger beklommen fühlt. Neben dem Sicherheitsaspekt, ist es für einen Verkehrsbetrieb ausschlaggebend, mit gutem Design Unterhaltskosten zu reduzieren. Dazu braucht es Materialien, die leicht zu reinigen beziehungsweise auszutauschen sind, Schmutzecken müssen vermieden und putzfreundliche Freiräume unter den Sitzen geschaffen werden. So können auch Vandalismus-Schäden einfacher, schneller und kostengünstiger beseitigt werden. Überdies bleibt die Hoffnung, dass das was gefällt, weniger zerstört wird. Design ist folglich ein Mehrwert für den Kunden, der sich auch bei dem Verkehrsbetrieb mittelfristig kostendämpfend auswirkt. Die VAG beschafft von den neuen Fahrzeugen vorerst 30 Doppeltriebwagen und ersetzt damit nach und nach die Fahrzeug-Generation des DT1, die mittlerweile seit über 30 Jahren auf Nürnbergs Schienen unterwegs ist. Die Beschaffungskosten belaufen sich auf 110 Millionen Euro. Für die Entwicklung und die Umsetzung des Designs hat die VAG derzeit 250.000 Euro investiert, was rund 0,23 Prozent vom Anschaffungspreis ausmacht. |
||
|
last update: 23.03.2007 WK |
[Index],
[Aktuell],
[Fahrzeugpark],
[Streckennetz],
[Geschichte],
[Zukunft]
[Bus], [Regionalahn], [S-Bahn], [Straßenbahn] [Home] |
Roland Gechter Wolfgang Kollorz Webmaster |